Fachbeitrag 19.01.2026
Smart Lighting – Wie intelligente Beleuchtungssysteme Energie sparen

Es werde Licht - und das ganz ohne einen Schalter zu betätigen. Das versprechen Smart-Lighting-Technologien. Und das nicht nur komfortabler als je zuvor, sondern auch mit einer positiven Auswirkung auf die Energieeffizienz von Beleuchtung. Dieser Artikel klärt, was Smart Lighting genau ist, welche Vorteile und Möglichkeiten es bringt, und zeigt auf, mit welchen Förderungen Sie Kosten sparen können.
Was ist Smart Lighting?
Smart Lighting bezeichnet Lichtsysteme, bestehend aus Leuchtmitteln und Lampen, die über verschiedene Übertragungskanäle - meist über DALI, KNX und Bluetooth - gesteuert werden können.
Auf Deutsch wird auch häufig von «intelligenter Beleuchtung» gesprochen. Deren besonderer Vorteil gegenüber klassischen Beleuchtungssystemen besteht darin, dass sie sich automatisch oder ferngesteuert ans Nutzerverhalten oder äussere Einflüsse anpasst. Diese intelligenten Beleuchtungssysteme können dabei verschiedene Formen annehmen, von intelligenten Lichtquellen bis hin zu komplexen LED-Leuchten und Lichtmanagementsystemen.
Welche Technologien werden genutzt?
Damit die Beleuchtung auch entsprechend funktioniert, bedarf es unterschiedlicher Komponenten.
Sensoren statt Schalter
Vor allem Sensoren sind ein wichtiger Faktor, damit es intelligent «Licht werden kann». Denn sie sagen dem System, wenn es Zeit wird, die Beleuchtung zu aktivieren. Zu den Sensoren gehören neben den von bestehenden Beleuchtungskonzepten bekannten Bewegungssensoren auch Helligkeits- oder Präsenzsensoren.
Helligkeits- oder Lichtsensoren messen den Lichteinfall. Mit ihrer Hilfe können Sonnenschutzelemente wie Rollläden oder Jalousien entsprechend dem aktuellen Lichteinfall gesteuert werden. Zudem passt sich die künstliche Beleuchtung dem verfügbaren Tageslicht an und dimmt bei Bedarf automatisch herunter.
Präsenzsensoren reagieren wie Bewegungsmelder auf Veränderungen und lösen entsprechende Aktionen aus. Aber im Unterschied zu Bewegungsmeldern nehmen Präsenzmelder bereits kleinste Veränderungen wahr, z.B. sitzende Personen, die sich nur minimal bewegen.

Klassische Sensorbeleuchtung im Treppenhaus

Intelligente Sensorbeleuchtung im Treppenhaus
Vernetzung von Gebäuden mittels DALI & KNX
Professionelle Gebäudeautomation setzt auf standardisierte Protokolle. DALI (Digital Addressable Lighting Interface) und KNX sind die beiden wichtigsten Standards für intelligente Beleuchtungssteuerung in gewerblichen Gebäuden.
- DALI ist speziell für die Lichtsteuerung entwickelt worden. Jede einzelne Leuchte erhält eine eindeutige Adresse und lässt sich unabhängig steuern, dimmen oder gruppieren. Das System ist verhältnismässig einfach zu installieren und eignet sich besonders für Bürogebäude, Schulen und kleinere Gewerbeobjekte. Die Verkabelung ist unkompliziert, und nachträgliche Änderungen der Gruppenzuordnung erfolgen per Software statt durch aufwendige Umverdrahtung.
- KNX geht einen Schritt weiter und verbindet die gesamte Gebäudetechnik. Neben der Beleuchtung steuert KNX auch Heizung, Lüftung, Sonnenschutz und Sicherheitssysteme zentral. Besonders in grossen Bürokomplexen, Industrieanlagen oder öffentlichen Gebäuden zahlt sich diese umfassende Vernetzung aus. Alle Gewerke kommunizieren über ein gemeinsames Bussystem, das sich herstellerunabhängig erweitern lässt.
Beide Systeme ermöglichen eine zentrale Überwachung und Steuerung über ein Gebäudeleitsystem. Störungen werden sofort gemeldet, Betriebszeiten lassen sich analysieren und Energieverbräuche transparent darstellen. Bei grösseren Liegenschaften mit mehreren Gebäuden können alle Standorte von einer Stelle aus verwaltet werden.
Bluetooth MESH als flexible Steuerungslösung
Neben DALI und KNX etabliert sich Bluetooth MESH als weitere Technologie für intelligente Beleuchtungssteuerung. Der entscheidende Unterschied: Die Kommunikation läuft vollständig drahtlos, ohne zusätzliche Verkabelung zwischen Sensoren, Leuchten und Steuerkomponenten.
Bei Bluetooth MESH bilden alle Einheiten ein selbstorganisierendes Netzwerk. Jede Leuchte und jeder Sensor können Signale empfangen und weiterleiten. Fällt ein Gerät aus, finden die Daten automatisch einen anderen Weg. Die Reichweite lässt sich beliebig erweitern, da jedes neue Gerät gleichzeitig als Verstärker fungiert.
Die Technologie eignet sich besonders für Renovierungsprojekte. Während bei DALI oder KNX neue Leitungen verlegt werden müssen, funktionieren Bluetooth MESH Systeme mit minimalen baulichen Eingriffen. Die Stromversorgung erfolgt über bestehende Elektroleitungen, die Steuerung läuft drahtlos.
Gruppenzuordnungen, Schaltlogiken und Zeitprogramme lassen sich per Software ändern, ohne Verkabelung anzupassen. Die Integration in übergeordnete Gebäudemanagementsysteme erfolgt über Gateways, die das Bluetooth MESH Netzwerk mit IP-basierten oder KNX-Systemen verbinden.
Grenzen zeigt die Technologie bei besonders hohen Sicherheitsanforderungen oder in Umgebungen mit starken elektromagnetischen Störfeldern. Für die meisten gewerblichen Anwendungen bietet Bluetooth MESH jedoch eine wirtschaftliche Alternative mit hoher Flexibilität.
Ein weiterer Nachteil: Bluetooth MESH Systeme sind proprietär, also herstellergebunden. Anders als bei den offenen Standards DALI und KNX lassen sich Komponenten verschiedener Hersteller nicht kombinieren. Das schränkt die Wahlfreiheit beim Ersatz defekter Komponenten ein und führt zu einer längerfristigen Abhängigkeit einzelner Marken.
Anwendungsmöglichkeiten - vom Treppenhaus bis zum Büro
Intelligente Beleuchtungssysteme haben sich in den letzten Jahren von einer Komfortlösung für Privathaushalte zu einem unverzichtbaren Instrument für energieeffiziente Gebäudebewirtschaftung entwickelt. Besonders in gewerblich genutzten Immobilien, Bürogebäuden und öffentlichen Einrichtungen entfaltet Smart Lighting sein volles Potenzial.
Wichtiger Hinweis: In sensiblen Produktionsbereichen, etwa in der Feinmechanik oder bei sicherheitskritischen Anwendungen, sollte der Einsatz von automatischer Lichtsteuerung sorgfältig geprüft werden. Hier können unerwartete Lichtausfälle oder Verzögerungen Arbeitssicherheit und Qualität beeinträchtigen.
Effiziente Parkhaus-Beleuchtung mit Schwarmsteuerung
Parkhäuser gehören zu den grössten Energieverbrauchern in der Gebäudebewirtschaftung. Klassische Beleuchtungsanlagen laufen oft durchgehend, selbst wenn keine Fahrzeuge unterwegs sind.
Mit Schwarmbeleuchtung ändert sich das: Die vernetzten LED-Leuchten erkennen über Präsenzsensoren, wo sich Personen oder Fahrzeuge befinden. Das Licht folgt dem Nutzer, aktiviert sich beim Betreten und kehrt nach dem Verlassen auf Grundniveau zurück. Energieeinsparungen von bis zu 80 % sind möglich, bei gleichzeitig höherer Sicherheit durch bedarfsgerechte Ausleuchtung.
Das Parkhaus Obertor in Bremgarten erzielte durch die Umrüstung auf intelligente LED-Beleuchtung eine Stromeinsparung von 74 %.
Erfahren Sie mehr dazu in unserer Erfolgsgeschichte Parkhaus Obertor:
Intelligente Treppenhaus-Beleuchtung im Bürogebäude
Treppenhäuser in Bürokomplexen werden nur sporadisch genutzt, die Beleuchtung läuft jedoch oft über viele Stunden. Das verursacht unnötige Kosten.
Schwarmbeleuchtung in Treppenhäusern nutzt vernetzte Präsenzmelder, die kleinste Bewegungen erkennen. Die Leuchten kommunizieren untereinander und schalten vorausschauend: Das Licht folgt der Person nach oben oder unten, ohne dass diese in Dunkelheit gerät. Energieeinsparungen von 60 bis 70 % sind realistisch. Im Notfall kann das System auf Dauerlicht umschalten und Fluchtwege optimal ausleuchten.
Adaptive Bürobeleuchtung für mehr Produktivität
Moderne Büroflächen brauchen flexible Beleuchtung, die Energie spart und sich an wechselnde Nutzungsszenarien anpasst. Klassische Schaltungen mit manuellen Tastern können diesen Anspruch nicht erfüllen.
Intelligente Bürobeleuchtung kombiniert Tageslicht-Sensoren und Präsenzmelder: Die künstliche Beleuchtung dimmt sich automatisch je nach natürlichem Lichteinfall. Das System erkennt, ob Arbeitsplätze besetzt sind, und passt sich entsprechend an. Bei grösseren Büroflächen ermöglicht die Vernetzung eine zentrale Überwachung und Steuerung aller Leuchten in Echtzeit.
Energieeinsparungen von bis zu 50 % sind möglich. Zusätzlich steigert circadiane Lichtsteuerung (Human Centric Lighting) das Wohlbefinden und die Konzentration der Mitarbeitenden.
Automatisierte Aussenbeleuchtung für Gewerbeflächen
Aussenbereiche von Industrieanlagen, Lagerhallen und Gewerbeimmobilien benötigen zuverlässige Beleuchtung für Sicherheit und Arbeitssicherheit. Klassische Zeitschaltuhren oder Dämmerungsschalter sind oft zu lange oder zum falschen Zeitpunkt aktiv.
Intelligente Aussenbeleuchtung kombiniert Helligkeitssensoren, Bewegungsmelder und vernetzte LED-Leuchten. Bei Einbruch der Dämmerung schaltet sich ein Grundniveau ein. Sobald sich Personen oder Fahrzeuge nähern, verstärkt sich die Beleuchtung gezielt. Nach einer festgelegten Zeit kehrt das System in den Energiesparmodus zurück.
Das schreckt unerwünschte Besucher ab, schafft ein sicheres Arbeitsumfeld und spart bis zu 60 % Energie gegenüber Dauerbetrieb.
Smarte Beleuchtung bietet Einsparungspotenzial in mehrerer Hinsicht
Smart Lighting bietet nicht nur Komfort, sondern auch das Potenzial zu sparen. Zum einen Kosten für Strom, zum anderen Energieverbrauch.
Durch vernetzte Leuchten und bedarfsgesteuerte Lichtsteuerung kann der Energieverbrauch im Parkhaus Heuried um bis zu 92 % reduziert werden.
Hauptvorteil Kostenersparnis
Die Energiekosten sind hoch. Smart Lighting bietet eine Möglichkeit, etwa mittels smarter Lampen, den eigenen Verbrauch und damit auch die Kosten zu senken.
- Moderne Lampen haben einen geringeren Stromverbrauch. Im Vergleich zu herkömmlichen Glüh- oder Halogenlampen verbrauchen LED-Lampen bis zu 80 % weniger Energie verbrauchen. Insbesondere, wenn sie nur zu bestimmten Zeiten eingeschalten werden.
- Indem im Smart Home die Lichtleistung automatisch angepasst wird, bleibt der Stromverbrauch im Rahmen. Es scheint nur dann Licht, wenn es auch benötigt wird.
- Wenn man vergessen hat, die Lampen auszuschalten, übernimmt dies das System. Fällt es dem Betreffenden dennoch ein, lassen sich die Lampen per Smartphone ausschalten.
Beitrag zur CO₂-Reduktion
Smart Lighting schont den Geldbeutel, aber auch die Umwelt. Denn nicht nur Geld, auch CO₂ lässt sich mittels moderner Beleuchtungskonzepte in Verbindung mit smarter Technik sparen. Und das Potenzial ist gross: Licht macht bis zu 19 % des weltweiten Stromverbrauchs aus und benötigt entsprechend viel Strom. Allein in Europa stammen nach wie vor 33 % der Energie aus fossilen Quellen wie Öl oder Gas.
Gerade in Büros, Gewerbeimmobilien oder Produktionsstätten, in denen Beleuchtung oft über viele Stunden eingeschaltet ist, lassen sich mit intelligenten Lösungen enorme Einsparpotenziale realisieren.
Und das nicht nur beim Stromverbrauch: Moderne LED-Lampen gehen nicht nur sparsamer mit Energie um, sondern haben auch eine längere Lebensdauer als klassische Lampen. Je nach Qualität und Einsatzbereich halten LED-Lampen mittlerweile bis zu 100’000 Stunden durch.
Förderprogramme für energieeffiziente Beleuchtung
In der Schweiz gibt es Förderprogramme, die Sie dabei unterstützen, wenn Sie mittels energieeffizienter Beleuchtung wie Smart Lighting zum Energiesparen beitragen. Dabei sind sowohl in der Industrie, im Dienstleistungsbereich als auch bei Wohnbauten Förderungen möglich. Bei der Sanierung von Beleuchtungsanlagen sowie dem Umrüsten auf LED-Beleuchtung können Sie sich durch das Lightbank Förderprogramm bis zu 30 % zurückholen.
Wenn Sie wissen wollen, wie viel Unterstützung Sie erhalten, nutzen Sie unseren Fördergeldrechner.



