Energie Absenkpfad Beleuchtung:
Dank LED und Sensorik jährlich 1,9 TWh Strom eingespart

Kein anderer Bereich verzeichnet einen so starken Rückgang des Stromverbrauchs wie die Beleuchtung. In den letzten sieben Jahren wurden jährlich im Schnitt 240 GWh Beleuchtungsenergie eingespart – ermöglicht durch den Wechsel von Leuchtstoff- und Halogenlampen zu LED sowie den zunehmenden Einsatz von Sensorik.
Die umsatzmässig relativ kleine Lichtbranche verursacht einen vergleichsweise hohen Energieverbrauch und birgt grosse Effizienzpotenziale von bis zu 90 Prozent. Ein konsequentes Energiemonitoring der Schweizer Licht Gesellschaft im Auftrag des Bundesamtes für Energie belegt die in den letzten Jahren erzielten Einsparungen präzise.
Technologiewandel auf der Zeitachse
Die erste künstliche Beleuchtung der Schweiz ging 1879 im Speisesaal des Kulm Hotels in St. Moritz in Betrieb – im selben Jahr, in dem Thomas Edison die Glühlampe zur Marktreife brachte. Knapp 50 Jahre später lancierten General Electric und Philips 1938 die ersten kommerziellen Leuchtstofflampen: effizienter als die Glühlampe, aber mit eingeschränkter Farbwiedergabe.
Um 2000 kamen die ersten LED-Leuchtmittel auf den Markt – energieeffizienter als Halogenlampen, anfangs jedoch mit Mängeln bei der Farbwiedergabe. Ab etwa 2012 erreichte LED das Niveau der damaligen Sparlampen; der Wechsel gewann dank stetig steigender Effizienz zunehmend an Breite. Parallel nahm der europäische Gesetzgeber ab 2009 schrittweise Glüh-, Halogen- und schliesslich Leuchtstofflampen vom Markt; seit 2023 sind neben LED nur noch wenige Ausnahmen zugelassen.
Energiemonitoring
Im Auftrag des Bundesamtes für Energie hat die Schweizer Licht Gesellschaft (SLG) ab 2015 ein Energiemonitoring für die Beleuchtung aufgebaut, um die durch den Technologiewandel zu LED erzielten Energieeinsparungen zu quantifizieren. Das Modell stützt sich auf Verkaufszahlen, Produktdatenbanken, das Schweizer Gebäudeparkmodell sowie das Berechnungsverfahren der SIA-Norm 387/4 und ermöglicht eine zuverlässige Rekonstruktion des Energieabsenkpfades – notwendig, weil der Beleuchtungsstromverbrauch mangels verbraucherseitiger Messpunkte in der Schweizer Stromverteilung nicht direkt messbar ist.
Die verschiedenen Inputquellen wurden jährlich erhoben, im entwickelten Rechenmodell zusammengeführt und in einem Bericht veröffentlicht. Mit dem Bericht 2025 wurde vorläufig der letzte publiziert – der Technologiewandel zu LED ist weitgehend abgeschlossen.
Die Erfolgsgeschichte: - 1.9 TWh/a
Motiviert durch die ersten Erkenntnisse des Energiemonitorings unterzeichnete die Schweizer Licht Gesellschaft im September 2018 anlässlich einer europäischen Lichtkonferenz in Davos gemeinsam mit dem Bundesamt für Energie sowie 12 Industrieunternehmen und Verbänden die Lichtvereinbarung von Davos – mit dem Ziel, den Beleuchtungsenergieverbrauch bis 2025 zu halbieren. Es folgte das Programm «energylight», das heute über 80 Partner zählt.
Das gesetzte Ziel wurde zwar nur zur Hälfte erreicht, die tatsächlich erzielten Einsparungen sind dennoch beachtlich: Bis Ende 2025 sank der Energieverbrauch für Beleuchtung um 1,9 TWh – eine Erfolgsbilanz, die kein anderer Verbrauchsbereich vorweisen kann. Während der Beleuchtungsstrom deutlich zurückging, blieb der Gesamtstromverbrauch der Schweiz weitgehend stabil, was bedeutet, dass die Einsparungen bei der Beleuchtung den Anstieg in anderen Kategorien kompensierten.
Dies ist umso bemerkenswerter, als Bevölkerung und Gebäudefläche im gleichen Zeitraum je um rund 15 Prozent wuchsen und mit Wärmepumpen sowie Elektrofahrzeugen neue Verbraucher hinzukamen. Mit dem weiteren Wachstum von Elektromobilität und energieintensiven Rechenzentren dürfte der Gesamtstromverbrauch künftig wieder steigen.

Abbildung 1: Entwicklung des Stromverbrauch für Beleuchtung und Gesamtstromverbrauch in der Schweiz
Die offenen Potenziale
Die grössten Effizienzgewinne durch LED sind weitgehend ausgeschöpft. Zwar ist noch eine gewisse Steigerung zu erwarten, und da erst rund drei Viertel der alten Anlagen erneuert sind, besteht weiteres Potenzial. Das Schwergewicht verlagert sich nun auf drei andere Massnahmenbereiche:
Lichtregelung: Der Einsatz von Sensorik ist zwar gestiegen, hat aber mit dem LED-Ausbau nicht Schritt gehalten. Zudem stammen viele der eingesetzten Technologien zur Präsenz- und Tageslichtsregelung noch aus der Vor-LED-Zeit und bedürfen eines Innovationsschubs.
Überdimensionierung und Inbetriebnahme: Viele neue LED-Anlagen sind überdimensioniert. Eine korrekte Inbetriebnahme könnte den Stromverbrauch in vielen Fällen zusätzlich halbieren – doch fehlt es oft an Zeit, Budget und Bewusstsein für dieses Potenzial.
Tageslichtnutzung: Tageslicht reduziert nicht nur den Kunstlichtbedarf, sondern fördert auch Wohlbefinden und Gesundheit. Dennoch bleibt das Potenzial vielerorts ungenutzt – durch bauliche Sachzwänge, mangelhafte Sonnenschutzeinrichtungen und ungenaue Sensorik bei der Lichtmessung.
Im Jahr 2017 entfiel auf die Beleuchtung ein Anteil von 13 Prozent am Gesamtstromverbrauch der Schweiz; bis 2025 sank dieser auf 10 Prozent.
Durch verstärkten Sensorikeinsatz, korrekte Inbetriebnahme und bessere Tageslichtnutzung besteht weiterhin erhebliches Einsparpotenzial.
Der grösste Anteil des Beleuchtungsstroms entfällt auf Industrie- und Dienstleistungsgebäude; die Aussenbeleuchtung macht nur einen geringen Teil aus.







